Zeitungszeugen
Muss ich mir gleich mal kaufen: “Das britische Verlagshaus Albertas Limited lanciert am 8. Januar 2009 ein einzigartiges Projekt: Mit Unterstützung renommierter Historiker und Experten werden wöchentlich Zeitungsnachdrucke aus der Zeit der “Machtübernahme” im Januar 1933 bis zum Zusammenbruch des NS-Regimes im Mai 1945 publiziert.” Wobei Zeitungszeugen ein gewöhnungsbedürftiger Name ist.
Die „Deutsche Allgemeine“ vom Tag nach Hitlers Kanzlerschaft ist eines von Dutzenden Faksimiles historischer Zeitungsausgaben, mit denen der Londoner Verleger Peter McGee den deutschen Zeitschriftenmarkt erobern will. Sein Projekt „Zeitungszeugen“ folgt einem Rezept, das McGee schon in Belgien, Spanien, Finnland und fünf anderen europäischen Ländern erfolgreich ausprobiert hat: Ein Jahr lang werden im Wochenrhythmus je drei Nachdrucke von Tageszeitungen der dreißiger und vierziger Jahre veröffentlicht, eingepackt in einen Mantelteil mit Hintergrundinformationen und Einschätzungen von Experten. (FAZ)
Kritik am Projekt habe es auch gegeben, wenngleich McGee keinen einzigen Kritiker zur Pressekonferenz eingeladen hatte. Charlotte Knobloch, die Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, sieht den Nachdruck “mit Zweifeln”. Wenn Nazi-Zeitungen ohne die Kommentierung wahrgenommen würden, wäre das “fatal”, wird Knobloch zitiert. (SZ)
Woche für Woche soll es neue Reprints geben - bis die Serie Ende des Jahres mit nachgedruckten Presse-Erzeugnissen von 1945 ausläuft. Als Startauflage sind 300 000 Editionen angepeilt. Der Verlag hofft, in der Zeit danach jeweils 50 000 bis 100 000 Exemplare verkaufen zu können. Nachdrücklich wehrt sich der Verlag gegen den Vorwurf, mit dem Griff in Zeitungsarchive der Neonazi-Propaganda Vorschub leisten zu wollen. (KSTA)
Wolf Said,
26. Januar, 2009 @ 17:38
Zeitungszeugen im Nachdruck finde ich persönlich gut. Ich bin mittlerweile Mitte der 50-er und mein Wissen aus der Schule endete ca. 1919. Schwache 5 Minuten wurden dann schulicherseits für den grossen Crash der Börsen 1929 geopfert und weiter ging die deutsche Geschichte im Jahr 1948. Schule in Deutschland!!
Die Kriegsjahre mit Vorgeschichte wurde für uns damals einfach ausgeblendet. Mein schwaches Detailwissen bekam ich von meinen Eltern, die die ganzen Jahre erleben mussten. Was ich damals hörte war schon grauenhaft und kaum vermittelbar. Jetzt, durch die Zeitungszeugen, durch den Re-Print der alten Dokumente graut es mir noch vielmehr. Erschütternd finde ich, wie die Presse früher mit wahren Hasstiraden ihre Artikel ausgestattet hat. Mir standen die Haare zu Berge beim Lesen vieler alter Artikel. Nachdem es wohl keine wirkliche Pressevielfalt sondern nur die hetzerische braune Presse-Einfalt gab, verbunden mit den politischen Wahrheiten des braunen Rundfunks kann ich mit ggf. langsam vorstellen, wie die früher nicht informierte Bevölkerung einer Gehirnwäsche unterzogen wurde. Ich lese diese alten Zeitungen mit grossem Abstand aber mit Interesse. Ich habe von viel Dingen erstmals Kenntnis erlangt. Erschreckt bin ich nach wie vor vom üblen Ton wenn es um Andersdenkende geht und wie leicht Beleidungen und Drohungen öffentlich publiziert worden sind. Die braune politische Seite ist nie die meine gewesen und wird es auch nie sein. Braun bin ich zeitweise durch den Einfluss der Sonne, die hoffentlich auf friedlichere Zeiten scheint.